Fermentation
Salz-Aprikosen
Salz-Aprikosen: warum zwei Prozent Salz aus einer süßen Frucht eine herzhafte Zutat machen
Eine Aprikose, halbiert, mit zwei Prozent Salz ins Glas. Fünf Tage später ist sie nicht mehr süß. Sie ist salzig, säuerlich, tief. Und sie schmeckt eher nach Kapernbeere als nach Obst.
Das ist die erste von sechs Methoden aus unserem Beitrag Aprikosen fermentieren: eine Frucht, sechs Methoden, und sie ist die direkteste. Kein Wasser, kein Zucker, keine Starterkultur. Nur Frucht, Salz und ein Glas, das man täglich schüttelt.
"Eine Aromatik, die auch in Getränken unglaublich gut schmeckt"
Ricarda Schuhmann
Was Salz im Glas eigentlich macht
Salz fermentiert nichts. Es selektiert.
Auf jeder rohen Frucht sitzen unzählig viele Mikroorganismen: Milchsäurebakterien, wilde Hefen, Schimmelsporen, Fäulniserreger. Alle warten auf denselben Fruchtzucker. Gibst du Salz dazu, passieren zwei Dinge gleichzeitig. Erstens zieht es per Osmose Wasser aus den Fruchtzellen. Daraus entsteht die Lake, in der alles Weitere abläuft. Zweitens macht es die Umgebung für die meisten dieser Mikroorganismen unbewohnbar. Die salztoleranten Milchsäurebakterien stört das kaum. So erhalten sie den entscheidenden Startvorteil, um mit ihrer alchemistischen Arbeit zu starten. äure.
Zwei Prozent sind dabei kein Zufallswert, sondern mikrobielle Wissenschaft in den Alltag übersetzt. Der Korridor zwischen zu viel und zu wenig ist der Bereich, in dem Salzfermente zuverlässig funktionieren; zwei Prozent sind erstmal ein guter Richtwert.
Wenn du wissen willst, was passiert, wenn du dieselbe Frucht statt in Salz in Zucker, in Lake oder unter ein Tuch legst: Wir haben alle sechs Wege nebeneinandergestellt. Dort steht auch, welche Zutat wir als Nächstes verwandeln und wie du mitentscheidest.
EINFACH FERMENTIEREN LERNEN.
EIN FERMENTATIONSSYSTEM, PROBIOTISCHER VORRATSSCHRANK, DARMGESUNDHEIT.
Ein Glas, Salz, Gemüse. Mehr braucht es nicht, um anzufangen. Es braucht nur Verständnis, damit es beim zweiten und beim zwanzigsten Mal genauso gut wird.
Wir geben dir eine Rezeptsammlung UND das System darunter: wie milchsaure Fermentation funktioniert, was Salz, Temperatur und Zeit im Glas bewirken, und woran du siehst, dass alles läuft. Damit hörst du auf zu raten.
Was daraus wird, ist kein einmaliger Versuch, sondern ein Glas, das bei dir im Kühlschrank steht und immer wieder nachgefüllt wird. Fermentiertes Gemüse und Obst aus deiner eigenen Küche, das dein Darmmikrobiom füttert.
Wissenschaft, die nicht an dir vorbeigeht,
sondern in deinem Glas ankommt.
WILDE FERMENTATION
Rezept: Salzaprikosen mit Lavendel und Minze
Die Menge richtet sich nach deinem Glas, denn das Rezept ist bewusst auf jede Größe übertragbar. Du wiegst die Aprikosen beim Einfüllen und rechnest zwei Prozent davon als Salz.
ZUTATEN
- Aprikosen, halbiert und entsteint (Menge beim Einfüllen wiegen)
- 2 % Salz, bezogen auf das gewogene Fruchtgewicht
- ½ TL rosa Pfefferkörner
- 1 Lavendelblüte
- 1 Minzblüte, alternativ einige Minzblätter
ZUBEREITUNG
- Aprikosen waschen, halbieren und entsteinen.
- Die Hälften ins Fermentationsglas schichten und dabei das Fruchtgewicht wiegen. Mindestens 4 cm Raum zum Glasrand frei lassen. Den brauchst du gleich.
- Zwei Prozent Salz vom gewogenen Fruchtgewicht abwiegen und ins Glas geben.
- Rosa Pfeffer, Lavendelblüte und Minzblüte zugeben.
- Das Glas luftdicht verschließen.
- Täglich schütteln, bis sich das Salz vollständig gelöst hat.
- Fünf Tage bei Raumtemperatur, etwa 20 °C, fermentieren.
- Anschließend in den Kühlschrank stellen.
HINWEIS
Warum die 4 cm keine Empfehlung sind, sondern Bedingung: Bei den meisten Fermenten lässt man drei Zentimeter Raum zum Rand. Hier brauchst du mehr, und zwar aus einem anderen Grund. Das Salz liegt zu Beginn trocken auf den Früchten und löst sich erst, wenn genug Saft ausgetreten ist. Damit es sich gleichmäßig verteilt, musst du das Glas schütteln können. Ohne Luftraum bewegt sich nichts, das Salz bleibt unten liegen, und die oberen Fruchthälften stehen tagelang ohne Schutz da. Genau dort fängt es dann an zu schimmeln.
Wir wünschen euch viel Spaß beim Ausprobieren und Genießen!
Eure tobenden Mikroben G & R!
Warum Lavendel, rosa Pfeffer und Minze
Die drei sind nicht dekorativ. Sie bringen jeweils etwas mit, das die Aprikose selbst nicht hat.
Lavendel legt eine blumig-harzige Note darüber und hält sie auch nach Tagen im Salz. Rosa Pfeffer ist botanisch kein Pfeffer, sondern eine Beere. Er bringt eine milde, fruchtig-warme Schärfe statt der trockenen Schärfe von schwarzem Pfeffer. Die Minzblüte hält das Ganze hell; sie ist deutlich zurückhaltender als Minzblätter, die schnell dominieren. Wenn du keine Blüten bekommst, nimm ein paar Blätter und rechne damit, dass die Minze klarer nach vorne tritt.
Wie du merkst, dass es läuft
Nach ein bis zwei Tagen steht Flüssigkeit im Glas: die Lake, die aus den Früchten selbst kommt. Sie wird trüb, das ist richtig so. Beim Öffnen zischt es leicht. Der Geruch verschiebt sich von süß-fruchtig zu säuerlich-frisch.
Was nicht passieren soll: pelzige oder farbige Beläge auf der Oberfläche. Ein flacher weißer Film ist meist Kahmhefe. Abschöpfen, weitermachen. Grün, schwarz oder rosa und flauschig ist Schimmel: ganzes Glas weg, nicht die Stelle wegschneiden.
Was du damit machst
Salzaprikosen sind eine Zutat, kein Snack. Sie funktionieren dort, wo sonst eine Olive, eine Kapernbeere oder eine eingelegte Zitrone stehen würde.
- Klein geschnitten über einen Sommersalat mit Rucola und Ziegenkäse
- Zu gegrilltem Gemüse, besonders zu Fenchel, Zucchini und Aubergine
- Auf dem Käseteller, wo sie gegen kräftigen Blauschimmelkäse anhalten
- Die Lake nicht wegschütten: Sie ist ein fertiges Dressing, gemischt mit etwas Olivenöl
- In Sprudelwasser oder als Basis für Mocktails
Erlebe die Kunst der Fermentation.
Entdecke und erlerne mit uns die Fermentation in ihrer ganzen Vielfalt – Eine saisonale Reise voller Kreativität, ausgefallener Rezepte, Fermentations.Methoden und Fermentista.Wissen.
Unsere Empfehlungen.
Bei Lieblinglas bekommt ihr mit unserem Code MIKROBEN12 12% Rabatt auf eure Bestellung.
Hierbei handelt es sich um Affiliate-Links