Brennnessel.

Urtica dioica, Urtica urens.

Brennnessel.

Die mehrjährige Brennnessel, eine alte Gemüsepflanze, auch Haarnessel, Tausendnessel oder Hanfnesse genannt, gehört zur Familie der Nesselgewächse (Urticaceae). Am bekanntesten sind die Große Brennnessel (Urtica dioica) sowie die Kleine Brennnessel (Urtica urens), die in der traditionellen Heilkunde verwendet wird. 

Sie liebt nährstoffreiche Böden (Stickstoffanzeiger) und kommt am Waldrand, in Auenwäldern, entlang von Feldränder, auf Brachland, in Gärten, etc. vor – meistens in großen teppichartigen Beständen. Ausdauernd, unverwüstlich, sprießt sie auch aus den kleinsten Mauerritzen und ist in der Lage selbst Stein zu ”sprengen” und hindurch zuwachsen. Die Brennnessel gehört zu unseren vielseitigsten und am meisten genutzten Wildpflanzen.
Wusstet ihr, dass sie Schmetterlingen wie Admiral, Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge als “Kindergarten” und Futterpflanze dient? Denn deren Raupen fressen nur diese Blätter. So ist sie für sie lebensnotwendig.

Pflanzenteile und ihre Verwendung.

Anwendung findet die Brennnessel in der Kosmetik, zur Stoffgewinnung und als Düngepflanze, Schädlingsbekämpfungsmittel, Färberpflanze (Ostereier), als Heilpflanze und als wertvolles Nahrungsmittel. 
In der Küche werden je nach Jahreszeit unterschiedliche Pflanzenbestandteile verwendet:

Junge Blätter und Triebspitzen
Diese Teile der Pflanze, die immer wieder nachwachsen, können ab dem Frühjahr (März) bis in den Herbst gepflückt werden. Vorsicht – Handschuhe tragen!!! Die feinen Brennhaare an den Stängeln und Blättern, durch die die Brennnessel zu ihrem Namen kam, brechen bei Berührung. Die entstehenden scharfen Kanten ritzten die Haut an und das Nesselgift dringt in unsere Haut ein. Es enthält unter anderem Histamin, Ameisen- und Essigsäure und sorgt für das Jucken und Brennen sowie die rötliche Quaddelbildung. Eine interessante Schutzmaßnahme, fast schon aggressiv und das einfachste Erkennungsmerkmal. Aber keine Angst- früher oder später vergeht der “Schmerz”.  Bei Rheumaschmerzen soll man sich sogar mit ihr ausgepeitscht haben.  Durch Abrollen mit einem Nudelholz, kurzes Blanchieren, Kochen, Mixen, Trocknen etc. werden die Brennhaare unwirksam, so dass der Brennessel als vielseitiges, gesundes Nahrungsmittel nichts im Wege steht: als Gemüse (Spinatersatz), als Füllung, in Dips, Salaten, Pestos, Säften, Smoothies und in Suppen wie der bekannten Gründonnerstagssuppe. 

Blüten
In Rispen sind entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten angeordnet. Ab dem Frühsommer bis in den September werden die Rispen geerntet. Roh oder geröstet sind sie sehr lecker und eine Bereicherung für Salate. Außerdem sind sie eine erfrischende Knabberei auf Wanderungen.

Samen
Ab Ende August/September – Oktober können sie gesammelt werden. Die  grünen als auch die reifen braunen Samen sind sehr schmackhaft (mild nussig) und nährstoffreich und finden Verwendung in Salaten, Dips, als Basis für Pestos, etc. Getrocknet und geröstet sind sie ein hervorragendes Nahrungsmittel über das ganze Jahr. 


Wildkräuter wie Brennnessel in der freien Wildbahn
Wildkräuter wie Brennnessel in der freien Wildbahn

Inhaltsstoffe und Wirkung als Heilpflanze.

Auf Grund ihrer Inhaltsstoffe, wird sie seit der Antike auch als traditionelle Heilpflanze sehr geschätzt und gehört zur „Apotheke am Wegesrand“. Sie ist reich an Mineralstoffen und Spurenelementen wie Eisen, Kalium, Magnesium, Kalzium, Silizium und Kieselsäure. Zudem enthält sie viel Vitamin C sowie Vitamin A und E; Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie die Flavonoide, Carotinoide, Phytohormone und Chlorophyll. Dazu kommen Gerbstoffe, Enzyme und jede Menge Proteine. Auch sind die getrockneten nussig schmeckenden Samen eine hervorragende pflanzliche Eiweißquelle und liefern fettes Öl mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren (Linol- und Linolensäure), Schleimstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, Carotinoide und jede Menge Energie gleich mit – ein heimisches Superfood wie Leinsamen. Sie lassen sich hervorragend über Müslis, Salate, Suppen, etc. streuen.

Durch die Inhaltsstoffe werden ihm folgende Wirkungen zugeschrieben:

  • stoffwechselfördernd
  • harntreibend
  • entschlackend
  • entgiftend
  • entsäuernd
  • blutbildend
  • blutreinigend
  • entzündungshemmend
  • antirheumatisch
  • durchblutungsfördernd
  • schmerzlindernd
  • krampflösend

Und so findet er vor allem volksmedizinisch und in der Homöopathie Anwendung bei:

  • bei Entgiftungs- und Basenkuren im Frühjahr
  • Erschöpfungszuständen (Frühjahrsmüdigkeit)
  • Eisenmangel
  • Blutarmut
  • Gallen- und Verdauungsproblemen
  • rheumatischen Beschwerden
  • Harnwegserkrankungen
  • Nierengrieß
  • Prostatabeschwerden
  • äußerlich bei brennendem Hautjucken, Nesselsucht, Kopfschuppen, fettigem Haar
  • den Samen wird eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Sammeln und bitte denkt immer dran:
Nur so viel Sammeln, wie ihr selber wirklich benötigt!
Eure tobenden Mikroben Gerlinde & Ricarda!